Selfpublisher in die Buchhandlung! 1


Wie können unabhängige Autoren das schaffen?

Das Lese-und Schreibverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Fast 40% der Neuerscheinungen sind mittlerweile selbstverlegt. Mit Print on Demand-Büchern, eBooks und Publishing-Services auf vielen Online-Plattformen brauchen Autoren schon lange keinen Verlag mehr, um Bücher zu veröffentlichen. Die moderne Technik hat es ermöglicht.

Entscheidend für eine erfolgreiche Veröffentlichung ist trotz aller Technik nach wie vor die Buchvermarktung. Genau da tun sich viele Seltpublisher jedoch noch immer schwer. Die meisten Self-Publishingtitel werden über die bekannten Online-Marktplätze verkauft. Das ist geradezu schade, wenn man im Vergleich bedenkt, dass bei gedruckten Büchern noch immer fast 80% des gesamten Buchabsatzmarktes klassisch über die Buchhandlung läuft. Im klassichen Buchhandel bleiben Selfpublisher also massiv auf die Strecke, denn im Bücherregal der lokalen Buchhandlungen werden Selbstverleger bislang nicht oder nur selten angetroffen.

Die Beziehung zwischen den Selbstverlegern und dem traditionellen Buchhandel bleibt damit schwierig. Obwohl auf Nachfragen im Buchhandel gerne das Gegenteil gesagt wird, schaffen nur die wenigsten Self-Publishingtitel die stationäre Präsenz, also nur ein Bruchteil der vielen guten Indie-Titel, welche im Jahr erscheinen. Dabei könnte es für den Buchhandel weitaus effizienter sein, die Fortschritte nicht den Online-Plattformen zu überlassen, sondern gemeinsam eine Synergie im Sinne der Buchhandlungen, Kunden und der Autoren zu schaffen. Denn am Interesse der Leser für unabhängige Titel fehlt es keineswegs.

Wer diese offensichtliche Schieflage näher betrachtet und nach den Ursachen forscht, kommt schnell zu einer ernüchternden Analyse. Das alte Vorurteil des Qualitätsunterschiedes und das höhere Remissionsrisiko halten die Buchhandlungen bislang von einem Ausbau des Zusammenschlusses ab. Gegenüber den zahlreichen guten Self-Publishingtiteln, erscheinen tatsächlich auch unverkäufliche Bücher im Selbstverlag, und der Buchhandel sieht oder wünscht sich nicht in der Lage, die Spreu vom Weizen zu trennen. Was dem Buchhandel im Grunde also fehlt, ist eine wirksame Qualitätskontrolle.

Die Wortwerke-Buchhandlungen haben im letzten Jahr gezeigt, dass es auch anders geht. Hier werden ausschließlich gute selbstverlegte Bücher in den eigenen spezialisierten Filialen untergebracht. In den Buchhandlungen werden die Bücher von Wortwerke selbst erst überprüft, bevor Sie in den Filialen präsentiert werden. Interessant ist zu beobachten, ob demnächst weitere Buchhandlungen ein annäherndes Geschäftsmodell anbieten werden und sich damit strukturell der Weg in den stationären Handel für Seltpublisher öffnet. Eine eindeutige und erkennbare „Indie-Ecke“ könnte durchaus zur Flächenbelebung und zu neuen Kunden im Handel führen.

Jo Bergers „Kick Off“ – ein Self-Publishing-Titel – wird bei Osiander in Böblingen direkt neben dem Krimipreisträger 2017 und anderen Bestsellern präsentiert.

In diese Richtung führt auch die neue Bookmundo-Initiative, womit Buchhandlungen wie die Mayersche, Osiander und Heymann über einen quasi-eigenen Self-Publishingservice verfügen. Im Hintergrund können Manuskripte überprüft und bei den Buchhandlungen als „interessanter Indie-Titel“ vorgestellt werden. Mit dem Service können Autoren also nicht nur veröffentlichen, sondern haben bei den Bookmundo-Partnerbuchhandlungen auch bessere Möglichkeiten. Denn Bookmundo macht eine erste Selektion von interessanten Titeln, die gelesen, beurteilt und dann bei den Buchhandlungen vorgestellt werden. Die Buchhandlungen wiederum suchen daraus für sie in Frage kommenden Titel aus. Die Buchhandlungen profitieren daraus, weil sie über ihr bisheriges Angebot hinaus mit Self-Publishing-Titeln die langjährige Beziehung zwischen Leserschaft und Buch sowie der Buchhandlung vertiefen können.

Wir können gespannt bleiben, welche Einflüsse die Trendbildung auf die Brückenbildung zwischen dem traditionellen Buchhandel und dem Selbstverlag haben wird. Eins ist jedoch sicher, die Entwicklung hin zu immer mehr mobileren Lesern und unabhängigeren Autoren ist als so gut wie sicher prognostiziert werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Buchhandlungen die Zielgruppen mit einem seriösen Angebot zufriedenstellen werden.

Links:

http://www.bookmundo.de/

http://www.mayersche.de/

http://www.osiander.de/

https://www.heymann-buecher.de

https://www.boersenblatt.net/bookbytes/artikel-mayersche_eroeffnet_selfpublisher-portal_bookmundo.1016005.html

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2014-05/self-publishing

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Ein Gedanke zu “Selfpublisher in die Buchhandlung!

  • Andreas Hagemann

    Bookmundo klingt zwar interessant, allerdings erfolgt eine Empfehlung nur 1x pro Quartal. Welche Kriterien für die „besten Titel“ herangezogen werden, erfährt man nicht. Es ist wohl von reinem Absatz auszugehen. Die Qualität spielt hier also wieder keine Rolle und das Marketing verbleibt einmal mehr beim Autor.
    Die reine Präsenz im lokalen Buchhandel bringt leider noch nichts. Ich hatte eine Kooperation mit der Mayerschen bei mir vor Ort und wurde 4 Monate mit zwei Bänden ausgestellt. Verkauft habe ich 1 Buch. Wenn die lokale Beratung sich nur auf die Bestseller fokussiert, ändert die Präsenz nichts. Man müsste dann schon die Mitarbeiter zum Lesen und damit zu einer Bewerbung bringen.