Drei Voraussetzungen für eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektor 3


ein Gastbeitrag des VFLL (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren)

„Wie finde ich einen Lektor, der zu mir und zu meinem Projekt passt?“ Das war eine der Fragen, die Autoren den anwesenden Lektoren vom VFLL auf dem Self-Publishing-Day am häufigsten stellten.

Michael Lohmann beim Self-Publishing-Day 2017 in Hamburg

Für den Lektorenverband mit am Stand war Michael Lohmann, der außerdem im Workshop „Optimiertes Lektorat für Self-Publisher“ seine Zusammenarbeit mit Autor Béla Bolten vorstellte. Michael Lohmann  weiß genau, welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit Autor und Lektor gut miteinander auskommen. Heute verrät er Ihnen drei wichtige Grundregeln für das Miteinander zwischen Autor und Lektor. Nehmen Sie diese Punkte als Richtschnur bei der Suche und fragen Sie ruhig auch mal gezielt nach, wie der Kandidat Ihrer Wahl es damit hält. So bekommen Sie schon wichtige Hinweise, ob die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gegeben sind. Sie wissen noch gar nicht, wie Sie überhaupt Lektoren finden, die Sie in die engere Wahl ziehen können? Schauen Sie mal in das VFLL-Lektorenverzeichnis unter www.lektoren.de!

1. Vertrauen

„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, / hätte aber die Liebe nicht, / wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.“ Das steht in der Bibel, im Hohen Lied der Liebe. Alles sei nichts, heißt es da, wenn es nicht die Liebe gäbe. Bei der Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektor ersetzen Sie bitte Liebe durch Vertrauen. Autor und Lektor müssen einander nicht lieben, aber ohne ein hohes Maß an Sympathie, ohne Verständnis und ohne Empathie des Lektors für die Arbeit des Autors ist alles nichts. Alles andere ist wertlos. Keiner der nächsten beiden Punkte kann diesen ersten ersetzen oder wettmachen. Die Conditio sine qua non. Das Killer-Argument. Schon kleinere Anzeichen von Verstörungen im Verhältnis zu Ihrem Lektor sollten Sie hellhörig werden lassen. Aus meiner Erfahrung führt ein Mangel an gegenseitigem Verstehen oft zu Friktionen – zum Leidwesen beider Parteien. Wehret den Anfängen!

2. Zuverlässigkeit

Wenn Sie mit Ihrem Lektor den 19. August als Abgabetermin für das überarbeitete Manuskript vereinbart haben, er Ihnen aber einen Tag nach diesem Termin schreibt, sein Opa habe eine Kniegelenkoperation gehabt und ihn als Rollstuhlschieber ausgenutzt und deshalb sei er nicht fertig geworden, läuft in der Zusammenarbeit etwas grundlegend falsch. Ich halte das Einhalten von Terminen für unabdingbar. Und wir reden nicht von einer Wochengenauigkeit („Da könnte ich in KW 34 durch sein.“), sondern von Tagesgenauigkeit. Je näher ein vereinbarter Termin rückt, desto präziser die Kommunikation über die Lieferung. Ein Lektorat ist in der Regel Handwerk. Kenne ich als Lektor den Autor und seine Stärken und Schwächen, sollte es möglich sein, die eigene Leistung und den eigenen Aufwand genau abzuschätzen.

3. Pingpongspielen

Es gibt Situationen, die einer prompten Klärung bedürfen. Ich als Lektor schätze es, wenn ich den Autor schnell erreiche. Am liebsten telefonisch. Sonst per SMS oder Facebook-Mitteilung. Ein Lektor, der keine Lust hat, mit Ihnen zu sprechen, und am liebsten nur über ellenlange Anmerkungen in den Kommentarspalten des Manuskripts mit Ihnen kommunizieren will, bringt Sie nicht weiter. Das Gebot der Gesprächsbereitschaft gilt natürlich beidseitig. Wenn Sie das Gefühl haben, beim Anruf Ihres Lektors Pickel zu bekommen oder schnell mal einen sauren Hering verspeisen zu wollen, schauen Sie sich noch mal Punkt 1 an, Vertrauen. Ich nenne das Direkte Pingpongspielen – schnelle Kommunikation.


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3 Gedanken zu “Drei Voraussetzungen für eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektor

  • Anne Poettgen

    Interessant. Ich habe im vorigen Jahr 1.205 Euro für ein Lektorat bezahlt, bei dem ich nicht einmal den Namen des/der Lektors kannte. Eine Nachfrage meinerseits lief über den Distributor. Von ihm oder ihr kam nicht ein einziger Hinweis, wie ich etwas hätte besser machen können. Natürlich nenne ich hier keine Firmennamen, ziehe aber in diesem Jahr meine Konsequenzen.

    • Michael Lohmann

      Frau Poettgen, das war sicherlich in hohem Maße unseriös, lassen Sie es mich deutlich sagen: Sie sind abgezockt worden, wenn es sich um ein Werk normaler Länge, sagen wir mal 300 Normseiten, gehandelt haben sollte. Seriöse Lektoren halten den Kontakt mit dem Lektor, per Telefon, E-Mail oder Skype. Ich lege darauf während der Arbeit an einem Werk großen Wert. Ich schaue mir das Ergebnis der Arbeit des Kollegen gern mal an, wenn Sie es wollen, um deren/dessen Arbeit zu beurteilen.

      • Anne Poettgen

        Rechtschreib- und Stilfehler wurden gelöst und ich habe mir daraufhin Papyrus gekauft 😉 Die Beurteilung war überaus liebenswürdig, so dass ich erst einmal von der Begeisterung geblendet war. Hatte dann aber die üblichen Fragen: Logik und ist der Schluss OK. Beides wurde kurz beantwortet: Alles bestens. Es war mein zweiter Krimi, man lernt dazu. Danke für Ihr Angebot, aber das werde ich sowieso nicht mehr in Anspruch nehmen.
        Mit vielen Grüßen
        Anne Poettgen