Besuch der „amazon academy 2016“


Zukunft der Möglichkeiten

Digitales Unternehmertum

 

button1000Am 6. Oktober 2016 hatte amazon zum zweiten Mal etwa 250 Leute zur ‚Amazon Academy‘ unter dem Motto ‚Zukunft der Möglichkeiten – Digitales Unternehmertum‘ nach Berlin eingeladen. Ein illustrer Haufen an Autoren, Entwicklern und Händlern traf sich, um Vorträge und Workshops zu besuchen und sich untereinander auszutauschen. Als Autor sowie als Vertreter des Self-Publishing-Day war ich ebenfalls eingeladen.

Der Eröffnungsvortrag wurde vom FDP-Vorsitzenden Christian Lindner gehalten.

Lindner redete über den Istzustand der digitalen Infrastruktur in Deutschland sowie über das, was aus seiner Sicht wünschenswert wäre. Lindner machte auf die Diskrepanz zwischen der Planung der Bundesregierung einerseits und des seiner Meinung nach notwendigen Ausbaus andererseits aufmerksam.

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Christian Lindner (Vorsitzender der FDP)

Deutschland liege erst an 7. Stelle in Europa was die digitale Infrastruktur angehe. Das sei nicht hinnehmbar, so Lindner, man hänge als Exportweltmeister und Wirtschaftsgroßmacht anderen Ländern wie Rumänien weit hinterher.

Lindner sprach auch an, dass amazon als großes Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung trage und die Politik dazu verpflichtet sei, Monopolisierungsgefahren und fairen Wettbewerb sowohl unter großen wie auch kleinen Anbietern zu regulieren und zu sichern. Das sei die Pflicht der politisch Handelnden, auch für die Zukunft.

 

Foto: Lutz Kreutzer

v.l.n.r.: Ralf Herbrich (amazon), Miriam Meckel (Wirtschaftswoche), Richard Gutjahr (ARD), Dietmar Grichnik (Universität St. Gallen), Markus Reithwiesner (Haufe)

Die Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion beschäftigte die Frage, wie sich der digitale Wandel auf die Arbeitswelt und das soziale Gefüge in Deutschland auswirken werde. Warum setze sich der sichtbare Trend in der internationalen IT-Industrie, den Arbeitgebern die Freiheit zu lassen, mehr von zu Hause oder unterwegs aus zu arbeiten, in Deutschland nicht richtig durch?

Markus Reithwiesner (Haufe Gruppe) erläuterte anhand des Komplettumbaus auf Digitalisierung seiner Firmengruppe, dass man zwar viel Mitarbeiter entlassen musste, aber nahezu ebenso viele wieder eingestellt habe, die sich mit neuer Technologe auskennen und den neuen Arbeitsstil auch umsetzen könnten. Das sei hart aber unabdingbar gewesen. Die neue Arbeitswelt sei halt eine komplett andere.

Ralf Herbrich (amazon) stellte dar, wie die Arbeitswelt bei amazon sich gestaltet. Die Arbeit an Innovationen werde von übersichtlichen Teams bewerkstelligt. Herbrich erläuterte das Geheimnis der so genannten „Two-Pizza-Teams“: Ein Team besteht aus nur so vielen Leuten, die von zwei Pizzas satt werden. Höchstzahl ist also sieben. Diese Teams arbeiten vollkommen autonom. Sie bestimmen den Ablauf, den Inhalt und den Fortschritt der Arbeit und sind alleine verantwortlich für das, was gemacht wird und natürlich für das Ergebnis.

Die spannendste Minute aus meiner Sicht: Miriam Meckel (Wirtschaftswoche) betont die Notwendigkeit, in einer modernen Arbeitsumgebung den Mitarbeitern mehr Freiheiten zu lassen und das home office sowie selbstbestimmte Arbeitsweise zu fördern. Daraufhin fragt Diskussionsleiter Richard Gutjahr (ARD) Meckel, ob sie das denn als Chefredakteurin so bei ihren eigenen Mitarbeitern zulasse. Meckel kam ein wenig in Verlegenheit und fand die Gründe, warum das noch nicht so funktioniere, eher in strukturellen Umständen als bei ihrer Führungsrolle.

 

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Ralf Kleber verrät amazon Interna.

Äußerst informativ war der Vortrag von Ralf Kleber (CEO amazon Deutschland), der dem Auditorium vortrug, wie bei amazon gearbeitet wird, wie geforscht wird und wie sich Ideen durchsetzen oder auch fallen gelassen werden. Amazon sei ein ständiges Experimentierfeld, in dem auch Fehler gemacht werden – viele Fehler (Anm.: mich erinnerte das an die Arbeit, wie sie in der Forschung und im Wissenschaftsbetrieb immer schon üblich war).

Wenn Fehler gemacht würden, so Kleber, dann würden die Ideen eben verworfen und das nächste Projekt werde in Angriff genommen. Vor allem aber wurde klar: Man darf bei amazon Fehler machen. Denn aus diesen Fehlern wird hier gelernt.

Wenn eine Idee aufkomme, so gebe es folgenden Workflow des Ideeninitiators: 1. Press Release, 2. FAQ, 3. Visualisierung. Wenn die Zusammenfassung in Form einer Pressemeldung andere überzeuge, dann komme es zum zweiten Schritt, der Beantwortung der FAQs in Form von ‚Bad Questions‘. Wenn diese Prüfung durchlaufen sei, komme es zur Visualisierung einer Idee, die dann schließlich von einem der Teams angegangen und umgesetzt werde. Auf diese Weise seien viele amazon-Projekte realisiert worden, so auch das Kindle Direct Publishing Programm (kdp).

Amazon habe den Anspruch, so Kleber, das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu sein. Daher denke man bei amazon grundsätzlich vom Kunden aus, also von unten nach oben. Das sei der Grund dafür, dass das amazon Portal dem Kunden alles übersichtlich, klar und direkt präsentiere. Wenn das nicht der Fall sein sollte, dann müsse man eben den Blickwinkel erweitern. Der Kopf sei schließlich rund, damit das Denken die Richtung ändern könne.

 

Andreas von der Heydt: der 5. Geburtstag

Andreas von der Heydt: der 5. Geburtstag

Für Autoren wurde es am Nachmittag spannend. Nach der heiteren Präsentation des 5. Kindle-Geburtstags erinnerte Andreas von der Heydt (Director Kindle Deutschland) an die einzelnen Meilensteine bei der Entwicklung des kindle-Programms in den letzten 5 Jahren seit dem Launch von kdp in Deutschland.

Von der Heydt informierte schließlich die Autoren darüber, mit welchen Innovationen sie in nächster Zeit rechnen können. Es betrifft hauptsächlich die Marketing-Möglichkeiten wie der neue „Folgen“-Button im Portal oder die Option, Buchvoransichten direkt und ohne großen Aufwand in eine Website einbauen zu können. Doch auch weitere Innovationen sind geplant, die die Autoren nutzen können, die aber noch nicht ausgeplaudert werden. Wir alle dürfen also gespannt sein.

 

Matthias Matting interviewt Rachel Abbott

Matthias Matting interviewt Rachel Abbott

Rachel Abbott gilt als erfolgreichste Self-Publisherin Großbritanniens. Ja, Rachel Abbott, das sei ein Pseudonym, eigne sich doch ihr wirklicher Name kaum dazu, nur ein Buch zu verkaufen, sagte die sympathische und humorvolle Britin.

Abbott schilderte, wie sie die ersten eBooks verkaufte, und wie plötzlich dann dieser Schub auf sie zukam, sie völlig überraschte.

Matthias Matting fragte Rachel Abbott schließlich auch nach ihrem Marketing-Konzept. Die Social Networks machen auch bei ihr einen großen Teil des Marketings aus. Wen verwundert’s in der digitalen Welt?

 

Tim Chimoy, der digitale Nomade

Tim Chimoy, Digitaler Nomade und Lebenskünstler

Abschließend hielt Tim Chimoy einen Vortrag über sein Leben als Digitaler Nomade. Tim Chimoy machte den Anwesenden klar, dass es heutzutage als Autor eigentlich nicht mehr notwendig sei, sich an einem Platz aufzuhalten. Er habe einen großen Teil seines Berufslebens auf Wanderschaft verbracht. Einige Monate hier, einige Monate dort, in exotischen und weniger exotischen Ländern. Egal. Hauptsache sei, man fühle sich wohl und die Qualität der Arbeit stimme. Eine bewundernswerte Art zu leben und zu arbeiten.

Natürlich kamen am Ende auch Fragen, wie das denn mit den Steuern sei, und das Wort Krankenversicherung fiel ja auch mal kurz. Auch andere Digital-Nomaden ergriffen das Wort, und schließlich bestand so etwas wie Einigkeit darüber, dass es doch sinnvoll sei, in Deutschland einen Wohnsitz zu behalten, wo man ein paar Monate im Jahr leben sollte. Denn nur dann könne man auch in Deutschland versteuern und die sozialen Absicherungen leisten. Wehe dem, der das in einem exotischen Land machen müsse, wenn er dort die meisten Monate im Jahr zubringen würde.

 

Plauderrunde mit Jo Berger, Andrea Bielfeldt und Corinna Rindlisbacher

Plauderrunde mit Jo Berger, Andrea Bielfeldt und Corinna Rindlisbacher

Der Ausklang mit Abend-Buffet gestaltete sich als fröhlich und unterhaltsam. Ich habe mit vielen tollen Kolleginnen und Kollegen sowie amazon-Mitarbeitern gesprochen und Erfahrungen ausgetauscht. Es ist immer wieder sehr spannend zu hören, wie es andere geschafft haben, zu erfolgreichen Self-Publishern zu werden. Oft ist damit eine wirklich spannende Lebensgeschichte verbunden.

Als Fazit der Veranstaltung bleibt mir zu sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat, bei der amazon academy 2016 dabei zu sein. Das war eine von den Veranstaltungen, die man nicht so schnell vergisst, weil sie wirklich inhaltsreich und informativ war. Ich freue mich jetzt schon aufs nächste Jahr. Vielleicht gibt es dann wieder Innovationen. Wie gesagt: Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.

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